Big Benny im Ring
November 2011
Technisches Neuland: Einer der weltweit größten Krananlagen positioniert millimetergenau.
Nichts ist zu schwer, nichts zu hoch – dieses anspruchsvolle Motto hat sich die Sarens NV, der belgische Spezialist für Transport und Handling schwerer Lasten, auf die Fahne geschrieben. Das Familienunternehmen fasste im Vorjahr den ambitionierten Plan, mit einem Ringlifter von bislang unbekannten Ausmaßen einen neuen Standard im Heben superschwerer Lasten zu setzen. Mit “Big Benny”, einem wahren Giganten, betrat die Sarens-Gruppe Neuland, um ihre Kranflotte – 1.400 Geräte mit Kapazitäten zwischen 50 und 3.000 Tonnen – mit einem Paukenschlag nach oben abzurunden. Solche Kraftpakete braucht man für Schwerlasthübe beispielsweise in Raffinerien, im petrochemischen Bereich, bei der Montage von Ölbohrplattformen sowie im Kraftwerksbau.
In nur 15 Monaten setzte Sarens den SGC-120 (Sarens Giant Crane), in enger Zusammenarbeit mit der seit 2009 zur Gruppe gehörenden Rigging International im kalifornischen Alameda, vom ersten Konzept in die Wirklichkeit um. Bosch Rexroth in Belgien war als Entwicklungspartner und Systemberater für Antrieb und Steuerung zuständig. Die Regionalgesellschaft wurde federführend mit der Projektleitung, Inbetriebnahme, Erprobung und Abnahme beauftragt, außerdem zählen Diagnose und Condition Monitoring zum Auftragspaket. Die Fachabteilungen für Gleichlaufregelung mit der MAC-8 und sekundärgeregelten Antrieben arbeiteten von Lohr aus zu. Ein gutes Beispiel für die internationale Zusammenarbeit bei Bosch Rexroth.
Diesen 5.200 Tonnen schweren Koloss in gut einem Jahr fertigzustellen, war eine echte Herkulesaufgabe. Er zählt mit seinen 3.200 Tonnen Hubkraft sowie einem Radius von 120 Metern zu den derzeit größten Krananlagen der Welt. Und er ist in der Lage, seine gewaltigen Lasten auf einen Millimeter genau zu positionieren.
Das Ringdesign mit 40 Meter Außendurchmesser sorgt zum einen für Stabilität und sichere Betriebsparameter, zum anderen sind dafür nur minimale Vorbereitungen des Untergrunds erforderlich. Das Konzept verfügt über einen Haken, der mit mehr als 100 Tonnen Eigengewicht so viel wiegt wie eine voll beladene Boeing 757 und der für 3.200 Tonnen Maximallast ausgelegt ist. Der gesamte Ringlifter ist modular aufgebaut; er wird transportfreundlich in 160 stapelbaren 40-Fuß-Containern untergebracht. Diese werden nach der vier Wochen dauernden Montage vor Ort mit lokal gewonnenem Material befüllt, um anschließend als 3.600 Tonnen schweres Gegengewicht zu dienen.
Der Beitrag von Rexroth am 25-Millionen-Euro-Projekt von Sarens ist beträchtlich und umfasst das komplette Antriebs- und Steuerungskonzept. 64 A2FM-Hydromotoren treiben das gewaltige Drehwerk des SGC-120 an, das für eine Umdrehung eine volle Stunde benötigt. Trotz der gigantischen Ausmaße lässt sich das Drehwerk aber auf den Bruchteil eines Grades, die sechs sekundärgeregelten Winden für Kran und Ausleger auf einen Millimeter genau positionieren. Synchronisiert werden die Hydromotoren dabei über ein sekundärgeregeltes Antriebssystem mittels HNC100-SEK und MAC-8-Regelelektroniken. Sechs Containeraggregate mit jeweils zwei 280-Kilowatt-Dieselmotoren und A4VSO-Axialkolbenpumpen sorgen für die notwendige hydraulische Leistung. Die komplette Steuerung und Überwachung des Riesenkrans übernimmt die Rexroth-SPS IndraLogic.
Mitte März präsentierte Hendrik Sarens, Director Heavy Lift Department, den SGC-120 im Hafengebiet von Gent einer breiten Öffentlichkeit. Verantwortlich für Entwicklung und Bau waren sein Cousin, der technische Direktor (und Namensgeber des Kolosses) Benny Sarens, sowie dessen Sohn Carl.
Im Juli wurde Big Benny in Gent in die Container gepackt, um dann im US-Bundesstaat Arizona bei einem Stahlbauprojekt seine Bewährungsprobe im rauen Einsatz zu bestehen. “Dabei wollen wir weitere Erfahrungen sammeln”, erläutert Hendrik Sarens, “die dann künftigen Projekten zugute kommen.”
Big Benny im Ring
Fakten zur Sarens NV
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