Wachsen statt kürzen

Zukunftsstrategie: Europäische Unternehmen setzen in der Krise auf Prozessoptimierung, Innovation — und Wachstum.
Die Stimmung in den europäischen Chefetagen ist lange nicht so schlecht, wie es die aktuelle Lage der Weltwirtschaft vermuten ließe. So das etwas überraschende Resultat einer Befragung von 2.600 Unternehmen durch die Unter-nehmensberatung Simon-Kucher & Partner.
Trotz Auftragseinbrüchen und Kreditklemme steht die große Mehrheit der europäischen Manager nicht etwa mit beiden Beinen auf der Kosten-bremse, sondern gibt dosiert Gas: Mit innovativen Produkten und dem Aufbruch in neue Märkte sollen in Zukunft die Umsätze gesteigert werden.
So soll beispielsweise der Umsatzanteil von neu entwickelten Produkten (< 3 Jahre) in den nächsten fünf Jahren um satte 35 Prozent zulegen. Für Forschung und Entwicklung wollen die Manager entsprechend mehr Geld investieren – das Budget soll in diesem Segment um 14 Prozent ansteigen.
Dem Autor der Studie, Dr. Philip Grothe, leuchten diese Ergebnisse ein: „Die Unternehmen erkennen, dass wir in einer Erlös- und Absatzkrise stecken, nicht in einer reinen Kostenkrise. Kostensenken allein hilft also nicht.“
Etwa drei Viertel der befragten Unternehmer und Geschäftsführer wollen der Krise mit höheren Einnahmen entgegentreten und richten ihre Organisation entsprechend aus. Nur rund 25 Prozent reagieren in erster Linie mit Kostensenkungen und Sparprogrammen.
Sparen beim Wachsen steht aber ebenfalls auf der Agenda: Etwa zwei Drittel der Befragten wollen ihre Prozesse optimieren und damit im Idealfall mit weniger Aufwand bessere Ergebnisse erzielen.
Innovation, Prozessoptimierung, Wachstum
Zentrale Ziele sehen die Unternehmen im Bereich „Kunden und Märkte“ mit verbesserten Angeboten in Service und Kundennähe, Innovationserfolgen und Technologieführerschaft sowie nachhaltigen Wettbewerbsvorteilen.
Welche Maßnahmen sind in den Augen der Befragten hierfür notwendig? 80 Prozent der Befragten geben „Stärkung der Innovationskraft“ an, über die Hälfte nennt „Optimierung der Geschäftsprozesse“ (67 Prozent) und „Anpassung der Organisation“ (50 Prozent) als wichtige Handlungsschritte.
Strategische Maßnahmen wie Partnerschaften oder neue Geschäftsmodelle spielen eher eine untergeordnete Rolle. Als größte Herausforderung für zukünftiges Wachstum sehen die Befragten eine effektive Marktentwicklung und -bearbeitung, insbesondere im Vertrieb.
Globale Marktperspektiven
Weiteres Studienergebnis: China, Indien, Osteuropa und Russland sind für die Wachstumsplanung der Unternehmen zunehmend interessant und liegen hier vor Nordamerika. Größere Unternehmen wollen verstärkt Tochtergesellschaften gründen, während kleinere Unternehmen lieber weniger kapitalintensive Wege (wie zum Beispiel im Export) gehen. Die Kleinbetriebe wollen außerdem ihre Vorteile überwiegend auf heimischem, europäischem Terrain ausbauen. Größere Unternehmen zieht es eher zum fernen Markt Asien.
Die Umfrage wurde im vierten Quartal 2008 unter 2.600 Firmenchefs in Deutschland, Österreich, der Schweiz, Polen, Russland und Großbritannien durchgeführt. Die Hälfte der befragten Unternehmen erzielt Umsätze zwischen 50 und 500 Millionen Euro, etwa 30 Prozent liegen unter 50 Millionen, rund 20 Prozent über 500 MillionenWas sind Ihre zentralen Maßnahmen zur Bewältigung der Krise?

John Galt, CEO Husky Injection Molding Systems, Kanada:
Für uns steht an erster Stelle, unseren Strategieplan zügig umzusetzen. Dazu konzentrieren wir uns auf unsere Kunden, die wir dabei unterstützen, die aktuellen Herausforderungen des Marktes zu bewältigen. Darüber hinaus investieren wir verstärkt in Forschung und Entwicklung jener Projekte, die für die Kunden von großer Bedeutung sind. Kurz gesagt, geht es uns nicht um eine Neubewertung unserer Strategie – es geht darum, sie schneller und effektiver umzusetzen.
Martin Mundstock, Vorsitzender der Jacto-Gruppe, Brasilien:
Die Strukturen und Budgets der Bereiche Support und Kundenbeziehung sowie Forschung und Entwicklung bleiben unverändert. Unsere Maßnahmen zielen auf Prozessverbesserungen, Lagerreduzierungen, Verbesserungen bei der Produktqualität sowie das Kassen- und Währungsrisikenmanagement.
Tetsuro Kajiya, Executive Officer, President Procurement Division, Komatsu Ltd., Japan:
Wir entwickeln unsere Produkte intensiv weiter und tragen der wachsenden Bedeutung des asiatischen Marktes Rechnung. Dazu eröffnen wir einen neuen Produktionsstandort in Russland und erweitern die in China produzierte Linie von Baggern auf 15 bis 20 Modelle. Der sinkenden Nachfrage in Japan, den USA und Europa begegnen wir mit einer Reorganisation in diesen Regionen, die eine 30-prozentige Steigerung der Produktivität bringt.
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